„Sozialarbeiter-Kongress“

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Montag und Dienstag war ich auf einem Kongress für Sozialarbeiter hier in Sao Paulo. Es ging darum, was für Kinder und Jugendliche, die in Heimen untergebracht sind, verbessert werden kann und muss. Am meisten hat mich berührt, als verschiedene unterschiedliche Gruppen von 8ehemaligen) untergebrachten Kindern und Jugendlichen selbst davon berichtet haben, wie das aus ihrer Perspektive aussieht und was sie sich wünschen würden. Ich habe nicht alles verstanden (Okay, okay. Ich habe insgesamt eher WENIGER verstanden. Und nach 8 Stunden ununterbrochen Portugiesisch hat mein Gehirn auch irgendwie auf „Aus“ geschaltet…). Das WAS ich aber von einem verstanden habe von einem Ehemaligen Heimkind und jetzigem Mitarbeiter war, dass es für ihn am wichtigsten gewesen sei, dass Menschen an ihn geglaubt und ihn nicht aufgegeben haben. Er meinte, selbst wenn man in dem Moment Entscheidungen der Betreuer nicht nachvollziehen könne wäre es wichtig, die Kids nicht aufzugeben, da sie im Nachhinein, wenn sie älter sind, manches besser nachvollziehen könnten.

Eine weitere Problematik die angesprochen wurde war die Frage, was man mit den Kindern macht, wenn sie mit 18 Jahren volljährig sind, das Heim verlassen müssen und auf sich allein gestellt sind. Es wurden einige Übergangsprojekte in Form von betreuten Wohngruppen für junge Erwachsene vorgestellt, die dieser Problematik entgegentreten wollen. Dort sollen diese besser auf das alltägliche Leben vorbereitet werden. Die Wichtigkeit von Beziehungsnetzwerken wurde ebenfalls angesprochen, damit die nun „Volljährigen“ emotionalen und sozialen Rückhalt erleben. Wen bittet man um Hilfe, wenn man plötzlich am Monatsende die Stromrechnung nicht bezahlen kann und keine Eltern hat, an die man sich wenden kann, um nur ein Beispiel, das dort genannt wurde, aufzugreifen. Oder wenn man irgendeinen anderen lebenspraktischen Rat benötigt? Wer springt ein? Die meisten von uns können sich vermutlich nicht vorstellen, mit 18 plötzlich auf sich allein gestellt zu sein…

Ich bete, dass Gott mehr Ideen und Möglichkeiten zeigt und gibt, dieser Problematik zu begegnen.

Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende und eine möglichst besinnliche Adventszeit!

ABBA-Team, bestehend aus Sozialarbeitern und Psychologen.
ABBA-Team, bestehend aus Sozialarbeitern und Psychologen.
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Super-Mulhers, Teil 3

Super-Mulheres mit Gastköchin (2. v.r.)
Super-Mulheres mit Gastköchin (2. v.r.)

Letztes Woche war eine Köchin bei unserem Teenie-Mädels-Treffen. Wir haben in den letzten Wochen verschiedenen Frauen mit unterschiedlichen Professionen eingeladen, damit die Mädchen einen kleinen Einblick in verschiedene Berufsmöglichkeiten bekommen.

Wir haben Hähnchenpastetchen  hergestellt, die von den Mädchen kreativ mit Teig dekoriert wurden. Wir Mitarbeiterinnen haben auch jede eine mit unserem Anfangsbuchstaben bekommen. 😉 Es ging gerade bei diesem Treffen natürlich nebenbei auch darum, den Mädchen Ideen zum Thema Ernährung zu vermitteln und Freude am selber kochen.

 

Letzten Montag hatten wir dann eine Architektin zu Besuch. 😉 Das hat mich natürlich stark an meinen früheren Job erinnert, auch wenn sie mehr im Bereich Innenausbau arbeitet, was hier in Brasilien üblicher zu sein scheint, als wir das in Deutschland kennen. Ausserdem hat sie erzählt, wie sie Gott bei der Berufswahl geleitet hat und sie sich immer gewünscht hatte, dass sie diesen zur Ehre Gottes ausüben kann. Nun arbeitet sie in der Schreinerei von ABBA („Solido Moveis“) und macht die Planung für die hochwertigen Einbaumöbel/ -küchen, die bei ABBA hergestellt werden und kann ihre Begabungen und Talente für das Reich Gottes einsetzen! Ich freue mich zu sehen, wie Gott Menschen führt, und sie an ihren Bestimmungsort bringt 🙂

(*Nebenbei: Das Schreinereiprojekt dient u.a. dazu, Jugendlichen eine solide Ausbildungsmöglichkeit zu bieten.)

Wochenendcamp mit den „Super-pequenos“

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Am Wochenende fand das letzte der diesjährigen Wochenendcamps aus dem Präventionsprojekt „Casa Semear“ statt. Diesmal war die Gruppe der ganz Kleinen dran, die „Super-pequenos“ ( pequeno = Klein). Es wurde viel gespielt, gebastelt und gesungen. Denn ganzen Tag schrie irgendjemand nach einer „Tia“ (Tante) oder einem „Tio“ (Onkel), wie wir hier einheitlich von den Kids genannt werden – sehr praktisch – so müssen sie sich, im Gegensatz zu uns, keine Namen merken….;-).

Die Hauptattraktion war der Swimmingpool, der von den Kleinen begeistert genutzt wurde. Zwischendurch gab es Teile der Weihnachtsgeschichte zu hören (der Advent ist ja schon stramm im Anmarsch 😉 ). Wenn man die Kleinen dann so glücklich und zufrieden dort schwimmen, spielen und einfach „Kindsein“ sieht, kann man sich fast wieder nicht mehr vorstellen, unter welchen Umständen sie normalerweise leben (s. letzter Bericht). Ich kriege das fast nicht zusammen.

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Da die Kinder in Brasilien traditionell eher sehr spät ins Bett gehen, war der Tag sehr lang und ausgefüllt. Gott sei Dank gab es keine Zwischenfälle, auch Nachts nicht soweit ich weiß, (ich habe zu Hause übernachtet). Manchmal haben die Kleinen Heimweh- deshalb geht ihr Camp auch nur mit einer Übernachtung. Da heute leider mal wieder Feiertag ist (Im Oktober und November gibt es da so einige), sehe die die lieben Kleinen erst Freitag wieder, da ich die nächsten Tage ja erstmal wieder zur Sprachschule gehe.

Melanie und ich bei eine Wanderung im Park
Melanie und ich bei eine Wanderung im Park

Leider ist Freitag auch der Abschiedstag von Melanie, der Schweizer Volontärin. Sie konnte ihr Touristenvisum nicht verlängern. Auch Schweizer dürfen nun nur noch 90 Tage hier bleiben und nicht mehr, wie noch vor einem Jahr möglich, nochmal auf 180 Tage verlängern. Ich bin echt traurig, dass sie geht und hoffe und bete, dass sie bald wieder kommt. Mal sehen, was Gott noch vorher 🙂

„Super-Mulheres“ Teil 2

Stargast Grizie bei den "Super-Mulheres"
Stargast Grazie (Mitte, schwarzes Shirt und rote Hose)  bei den „Super-Mulheres“

Vor 2 Wochen hatten wir eine in Brasilien sehr bekannte Schauspielerin u.a. aus verschiedenen Telenovelas zu Gast in unserer Teeniemädchengruppe: „Super-Muheres“. Graziella ist Mitte 30, kommt aus Rio und ist mit einem Filmproduzenten verheiratet. Seit ein paar Jahren ist sie Christin und geht mit einer unserer Mitarbeiterinnen, Audrey, in die gleiche Gemeinde. Die Mädels fanden es super spannend, dass sie einen „Filmstar“ kennen lernen durften.

Sie hat aus ihrem Leben erzählt, wie es so am Set läuft und vor allem auch, wie sie vor ein paar Jahren zum Glauben an Jesus Christus gefunden hat :-). Sie hat auch einzeln für die Mädchen gebetet, was mich sehr berührt hat und ich glaube, die Mädchen ebenfalls. Anschließend hat sie verschiedene „Übungen“ mit uns gemacht, die sie vermutlich während ihrer Schauspielausbildung gelernt hat und die zu Ziel hatten, dass sich die Mädchen stärker ihrer Körperlichkeit bewusst werden.

Letzte Woche konnten Melanie und ich zusammen mit unserer Projektleiterin Silvana ein paar Mütter der Mädchen in der angrenzenden Favela besuchen. Mir fehlen fast die Worte um zu beschreiben, wie es dort aussah und wie sich die Lebensumstände  gestalten. Man muss sich fast zwischen den einzelnen Häusern durchquetschen, so schmal sind die Wege dort. Es stinkt bestialisch nach Abwässern, die in einer Art „Fluss“ zusammen mit Müll durch die Favela fließen. Die Wohnungen sind winzig und feucht. Einige Eingange haben ca. 50 cm hoch gemauerte Brüstungen, um bei Starkregen das Wasser daran zu hindern, in die Wohnungen zu fließen. Leider klappt das nicht immer, so dass dann die Matratzen, die zum Schlafen auf dem Boden liegen, nass werden. Eine der Mütter erzählte uns von ihren Depressionen und Schlafproblemen, und zeigte uns die Medikamente, die sie dagegen nimmt. Ihre Tochter kommt seit einiger Zeit nicht mehr zum Projekt, da sie ihrer Mutter zu Hause helfen muss. Da dies vermutlich mein zukünftiges Einsatzgebiet sein wird, bete und überlege ich schon, wie und wo und was ich dort unterstützen könnte. Zumal wir ja nun lediglich die äußeren Zustände gesehen haben – die Wohnverhältnisse sind ja leider nicht das einzige Problem dort; vermutlich auch nicht das gravierendste. Bitte betet mit mir, dass dort Lösungsansätze gefunden werden, um den Menschen dort und vor allem den Kindern, langfristig Perspektiven aufzeigen zu können. 2017-11-07 14.54.26

 

„Super-mulheres“

Logo Casa Semear, São Paulo, Brasilien
Logo Casa Semear, São Paulo, Brasilien

….oder wie man in Anlehnung an Superman sagen würde: Superwomen. So heißt die Mädchengruppe der 12- 18-jährigen beim Präventionsprojekt Casa Semear. Mit dieser Gruppe wird seit einigen Wochen ein spezielles Programm durchgeführt, welches von einer Psychologin und verschiedenen anderen Experten zu verschiedenen (Alltags-) Themen wie Gesundheit, Hygiene, Ernährung, Freundschaft, Konfliktlösung etc. begleitet und gestaltet wird. Schwerpunkt war auch ein Kreativkurs, der den Mädchen helfen sollte, ihre Emotionen auszudrücken. Die Mädchen kommen aus sehr schwierigen Familienverhältnissen aus der angrenzenden Favela und haben bereits vielfach traumatische Erlebnisse gehabt und sind ihnen auch teilweise weiterhin dort ausgesetzt.

Dieses Programm soll zunächst bis zum Ende des Jahres weiter fortgeführt werden. Ich habe bereits in den letzten Wochen an den Gruppenstunden teilgenommen und selber 2 kleine „Kreativprojekte“ mit ihnen durchführen können. Bei einem Spiel sollten sie dann Orte benennen, die sie gerne einmal besuchen würde, oder Dinge, die sie in ihrem Leben verändern würden etc. Manche konnten darauf keine Antworten geben und ich hatte den Eindruck, dass sie (trotz Fernsehen) gar keine Vorstellung davon haben, dass es eine Welt ausserhalb ihrer Favela gibt und ihr Leben evtl. auch anders aussehen könnte, als bisher. Sie haben keine Träume und keine Vorstellungen von einer Zukunft ausserhalb dessen, was sie zu Hause und in der Nachbarschaft vorgelebt bekommen. Das kann einen schon echt sehr nachdenklich zurück lassen….

Langfristig möchte ich die Familien kennen lernen und schauen, ob ich dort sozialarbeiterisch unterstützend wirken kann. Vor allem aber wünschen wir uns, dass die Mädchen und ihre Familien die lebensverändernde Kraft Jesu‘ Christi keinen lernen, der eine Zukunft, einen Plan und eine Vision für ihr Leben hat!

Das erinnert mich an meine Taufvers aus Jeremia 29,11

„Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“

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Brasilianischer Geburtstag

Mirellas 30. Geburtstag
Mirellas 30. Geburtstag

Letzten Samstag hat meine Gastgeberin Mirella, ihren 30. Geburtstag (nach-)gefeiert. Ihre Schwester Melina und der zukünftige Schwager João haben einen Überraschungsbesuch veranstaltet und sind extra aus Bahia (Nordosten von Brasilien) angereist. Mirella Mann hat ihr allerdings von dem „Überaschungs-Plan“ erzählt, so dass sie sich gut vorbereiten konnte – auch auf die „Überraschungsparty“ ;-). Wir habe extra auch ein paar Tage vorher noch schnell 30 „Lembrancinhas“ (so heißen „Giveaways“ auf portugiesisch) für die Gäste gebastelt (links unten auf dem Foto). Leider konnte ich nicht lange bleiben, dass ich zu der Zeit gerade mal wieder im Haus von Yvonne und John gewohnt habe und ab 19:30Uhr wieder dort sein mußte wegen Yvonnes demenzkranker Mutter. 2017-10-27 18.39.59

Ausflug zum „Mercardo Municipal“

Mercardo Municipal São Paulo
Mercardo Municipal São Paulo

Letzten Samstag haben wir mit Mirella Schwester, ihrem Freund und Ricardo einen Spontanausflug zum Markt in der Innenstadt von São Paulo unternommen. (Auch mit dem Auto ist man da locker 1,5 Stunden unterwegs – pro Strecke!)

Endlich angekommen bot sich in dem Gebäude (s. Foto oben) eine riesige Auswahl an Obst-, Fleisch-, Gewürz-, und Imbissständen. Besonders die Obsthändler bieten dort Kostproben an, so dass ich zum ersten mal in den Genuss von Erdbeeren auf Datteln (köstlich!!!) und anschließend einer mir völlig unbekannten Frucht war. Mirella wollte gerne speziell auf diesem Markt „Pastel“ essen. Das sind  große Teigtaschen, die hier in Brasilien viel gegessen werden und die je nach Wusch mit Hack, Fisch, Mortadella und Käse oder sonst irgendwie gefüllt sind. Leider hatte Mirellas Schwester Kreislaufprobleme, so dass wir nur kurz bleiben konnten.

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Wir haben dann noch eine kleine Besichtigungstour durch São Paulo unternommen – vorbei am Stadtpark Ibirapuera, dem alten Kloster São Bento, der Kathedrale „Sé“ und durch die Avenida Paulista, DER „Prachtstrasse“ in der Innenstadt.  Nach insgesamt 4 Stunden Autofahrt waren wir wieder zu hause und ich musste feststellen, dass bei den hiesigen Strassenverhältnissen nicht nur lange Bus- sondern auch Autofahrten echt körperlich anstrengend sind! Ich hoffe, ich gewöhne mich da noch besser dran!

„Dia das crianças“ – Kindertag in Brasilien

"Dia das crianças" bei ABBA
„Dia das crianças“ bei ABBA

Jedes Jahr am 12.10. wird in ganz Brasilien der „Tag der Kinder“ gefeiert. Es ist Nationalfeiertag (ich glaube, es war ursprünglich ein Katholischer Feiertag…). Die Kinder müssen nicht zur Schule, die Erwachsenen nicht zur Arbeit, es gibt Feste, viel Essen und vor allem auch Geschenke für die Kinder. Wir von ABBA haben die 200 Kinder aus den verschiedenen Projekten eingeladen, den Tag bei uns auf dem Gelände zu verbringen. Es war ein fröhliche Tag mit „frühlingshaften“ 35°. Es gab Torte, Hot Dogs, Zuckerwatte, Popcorn und viele Spiele und Kreativangebote. Am Ende des Tages wurden noch Geschenke für die Kinder verteilt und eine Tüte mit Süßigkeiten und wir konnten in jede Menge glückliche (und bemalte) Gesichter blicken.

Schneewittchen, Elsa und Co.
Schneewittchen, Elsa und Co.
Dia das crianças
Dia das crianças

Ich hatte mir überlegt, dass ich mit den Kindern gerne eine kleine Bastelarbeit machen wollte. Immer in kleinen 7-er-Gruppen mit der lieben Unterstützung von Melanie, der Schweizer Volontärin bei ABBA. Was ich nicht einkalkuliert hatte war, dass mich, während ich den Kindern versuchte zu erklären, was sie machen sollten, gefühlte alle 5 Sekunden eins oder mehrere von den übrigen 193 mich am Ärmel zupfte und schrie “ Tia, tia, o que esta fasendo“ „Tante, Tante, was machst Du da?“ „Kann ich noch mitmachen?“ „Was hast Du da? Was ist das?“. Das war schon echt extrem herausfordernd, da ich nicht die sprachlichen Möglichkeiten hatte, darauf ständig angemessen zu reagieren….und noch gleichzeitig versuchen musste, die Kinder davon abzuhalten, mein Bastelmaterial auseinander zu nehmen – aber ich bin ja lernfähig 😉

Ab dem 2. und 3. Durchgang habe ich mein Konzept ein bisschen „angepasst“ und es ging besser 🙂 Die Kinder hatten Spaß (und Bonbons!) und ich weiß, was ich nächstes Mal anders planen muss 🙂 Meine letzte Gruppe bestand aus einigen Jungs, ca. 12 Jahre alt. Sie waren ganz konzentriert bei der Sache. Es hat mich irgendwie ganz tief berührt, sie so beim Basteln zu beobachten, weil ich so schlecht ausblenden konnte, dass ihr Lebensalltag eben nicht so einfach und friedlich verläuft, wie sie nun gerade bei mir saßen. Im Gegenteil: Die allermeisten Kinder aus unseren Projekten haben bereits Erfahrungen mit Gewalt und Missbrauch, miserablen Wohn- und Lebensverhältnissen und einem mehr als schlechten Schulsystem und ebensolchen, eigentlich nicht vorhandenen Zukunftsperspektiven.

Das was mich dann motiviert für diese Arbeit ist, wenn ich die Geschichten z.B. von heutigen Mitarbeitern höre, die selber in Favelas aufgewachsen sind, in Drogen, Gewalt und allen erdenklichen Schwierigkeiten verwickelt waren und dann ein neues, verändertes Leben mit Jesus begonnen haben und diese Hoffnung nun selber weiter geben an die nächste Generation! Das ist auch meine Hoffnung für diese Kinder, deren Ziele oft darin bestehen, möglichst früh schwanger zu werden, (um als vollwertige Frau anerkannt zu werden), oder schnelles Geld mit Drogengeschäften zu verdienen, um sich die Sachen leisten zu können, die ansonsten unerreichbar scheinen. Ich habe keine andere Antwort auf die unfassbare Fülle an Problemen, die in hier begegnen, als JESUS, weil ich glaube, dass ER alleine diese Kinder retten und ihr Leben verändern kann und dafür möchte ich mich einsetzen – dafür bin ich hier.

Kreativangebot für Kinder

Silke am Basteltisch

 

Festa das Nações

"Straßenfest der Nationen"
„Straßenfest der Nationen“

Am letzten Sonntag fand vor unserer Haustür ein Nachbarschaftsstraßenfest statt mit vielen verschiedenen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, die in dieser Gegend leben. Es sollte dazu beitragen, dass sich die Menschen hier besser kennenlernen. Es gab internationales Essen (mein Beitrag bestand aus „Toast Hawaii), Spiele und Beiträge bei herrlichem Sonnenschein und einem geschmückten Straßenbild.

Internationales Essen
Internationales Essen

Am Tag zuvor, am Samstag, bin ich (nach einigen Verzögerungen) bei dem brasilianischen Ehepaar Ricardo und Mirella eingezogen. Nun kann ich noch intensiver die morgens in der Schule gelernten Sachen direkt anwenden und mich in die brasilianische Kultur einleben. Die beiden sind echt total lieb und hilfsbereit. Für sie ist es bestimmt auch eine riesige Herausforderung, auf einmal jemand Fremdes, der die Sprache noch nicht beherrscht, bei sich aufzunehmen und zu unterstützen, aber sie tun es, weil sie ein Herz für Mission haben und mit ihrer Unterstützung einen Beitrag dazu leisten möchten.

Sie haben ein Gästezimmer mit Bad in einem hinteren Teil des Hauses, der etwas abgetrennt ist. Bis heute morgen war auch noch Ricardos Bruder Lukas mit seiner Frau Tamiris hier zu Besuch. Ich habe mich sehr gefreut, sie kennen zu lernen.

Am Abend meiner Ankunft braucht ich dringend ein Bügeleisen für meine Sonntagsgarderobe. Das Bügeleisen funktioniert leider nur in einer Steckdose im Schlafzimmer von Mirella und ihrem Mann. Da sie kein Bügelbrett haben, sollte ich die Sachen auf ihrem Bett bügeln. Das war schon etwas ungewöhnlich :-). Die Schwägerin kam dann auch noch dazu und letztendlich haben wir bis Mitternacht auf dem Bett gesessen und gequatscht. Somit was war das ein echt schöner und spezieller Einstieg.

Meine brasilianische "Gastfamilie"
Meine brasilianische „Gastfamilie“ Ricardo und Mirella (ganz links und ganz rechts im Bild) mit Bruder und Schwägerin

 

„Grüne Oase“ im Großstadtdschungel

Ausblick von der Veranda zum See
Ausblick von der Veranda zum See

Gott sei Dank- ich bin nun endlich in Brasilien angekommen! Nach vielen Jahren Vorbereitung im Gebet und mit meiner Ausbildung ist es nun endlich soweit! Es fällt mir noch schwer, das zu realisieren!

Diese schöne Aussicht durfte ich die ersten beiden Wochen seit meiner Ankunft hier in Brasilien genießen. Bevor ich zu meiner brasilianischen „Gastfamilie“ ziehen konnte, um dort in den ersten drei Monaten die Sprache und Kultur besser kennen zu lernen, habe ich bei meinem früheren US- amerikanischen Praxisanleiter Delton, seiner brasilianischen Frau Fernie und ihren fünf Kindern (und drei Hunden plus zwei Gasthunden) in einem kleinen Gästehaus (im Bild ganz rechts) gewohnt und konnte deren riesigen Garten genießen. Das ist in Sao Paulo sehr ungewöhnlich. Viele Häuser haben gar keinen „grünen“ Garten – das bisschen Platz ist oft einfach zugepflastert.

Die ersten beiden Wochen waren vor allem mit viel organisatorischem, bürokratischen Dingen gefüllt (und sind es noch!). Da ich kein Auto habe, muss ich alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigen, was bei einer 22- Millionen – Metropole manchmal einer halben Weltreise gleicht und oft viele Stunden in Anspruch nimmt. Die Busse sind auch oft überfüllt, gerade zur Rushhour, so dass man die Reise dann stehend und eingequetscht absolviert. Ich versuche das als Sportersatz zu sehen und stelle mir vor, dass ich auf einem Surfbrett stehe und versuche, die Balance zu halten, während der Bus über alle Strassenbuckel und durch die Kurven brettert. 😉 Wenn man dann aber noch schwere Einkaufstaschen mitschleppen muss, kann das schon sehr herausfordernd sein….

Vor allem habe ich auch nach einer geeigneten Sprachschule Ausschau gehalten, da ich mich in den nächsten Wochen darauf fokussieren möchte, mein Portugiesisch zu verbessern, damit ich mit den Menschen hier normal kommunizieren kann. Ich habe in der Innenstadt eine gefunden, die zum einen recht günstig ist (eine Ausnahme hier!) und die auch zum jetzigen Zeitpunkt Intensivkurse anbietet. Das bedeutet, dass ich an vier Tagen in der Woche für vier (Zeit-) Stunden Portugiesischunterricht haben werde. Leider dauert die Fahrt mit dem Bus genauso lange – das ist der Nachteil 😦

Die Haltestellen sind hier nicht beschriftet, so dass ich es bislang noch nicht geschafft habe, mich auf dem Weg zur Schule nicht zu verfahren, die Haltestelle nicht wieder zu finden, zu weit zu fahren oder in die falsche Richtung (ich arbeite daran!). Wenn ich dann noch auf dem Weg ein paar Dinge erledige und etwas zu Mittag esse, komme ich erst nach rund 10- 11 Stunden wieder ziemlich müde nach Hause! Aber ich bin froh, dass der Unterricht Spaß macht und meine vier Mitschüler aus Australien, den USA, China und Frankreich nett sind und wir uns gut verstehen! Heute, am Mittwoch hatte ich frei, aber morgen geht es wieder los!

Bom viagem 🙂