Vorsicht vor den Straßenkindern….

Geburtstagsfeier auf der Straße und eins der sehr seltenen Fotos :-)
Geburtstagsfeier auf der Straße und eins der sehr seltenen Fotos 🙂

 

„Vorsicht vor den Straßenkinder!“. Das musste ich vor ein paar Tagen in einem meiner (kulturellen) Brasilienreiseführer als einen von 10 Warnhinweisen lesen.

„Vorsicht vor den Straßenkindern. Einige sind geschickte Diebe und stehlen auch von Einheimischen blitzschnell.“

Natürlich kann ich das irgendwie nachvollziehen. Niemand wird gerne bestohlen. Trotzdem macht es mich traurig, Warnhinweise zu lesen über junge Menschen, die mir am Herzen liegen, zu denen ich gerade Beziehung aufbaue und denen wir von JEAME gerne helfen möchten, wieder an sich selbst, an eine Zukunft und am wichtigsten, an ihren Erlöser Jesus Christus zu glauben, der ihr Leben von Grund auf verändern kann!!

Kurioserweise war gerade an DEM Tag, als ich den Warnhinweis gelesen habe an der Straßenecke, wo wir normalerweise die Kinder treffen, tatsächlich auch ein Polizeiwagen postiert, so dass nur einige wenige Kinder etwas weiter entfernt einem Eingangsbereich einer Baustelle saßen. Es hieß, wenn ich das richtig verstanden habe, dass die Kinder zu viel geklaut hätten und die Polizei nun sicherstelle, dass sie dort nicht mehr rumlungern. Das erinnert mich an einen Vers aus der Bibel, eine Bitte die der König Salomo ausgesprochen hat im 30. Kapitel, Vers 8+9:

„Armut und Reichtum gib mir nicht, lass mich das Brot, das ich brauche, genießen, damit ich nicht, satt geworden, leugne und sage: „Wer ist denn der HERR?“- und damit ich nicht, arm geworden, stehle und mich vergreife an dem Namen meines Gottes.“ 

Natürlich ist es nicht richtig, dass sie klauen, aber selbst die Bibel ist so realitätsnah und weiß, dass man in schwierigen Situationen und widrigen Umständen schnell an den Punkt kommen kann, Dinge zu tun, die man nicht tun bräuchte, wenn man genug hat.

Unser Wunsch ist es, den Kindern und Jugendlichen Alternativen für ihr Leben aufzuzeigen, damit aus diesem Kreislauf von Armut und Kriminalität, Drogen und Missbrauch heraus kommen. Wir würden gerne ein Haus mieten in der Stadt, um ihnen dort ein Programm und professionelle Hilfe anbieten zu können. So etwas wie ein Familienzentrum wäre mein Traum, wo die Menschen hinkommen können mit all ihren Problemen und wo sie die entsprechende Unterstützung bekommen. Wir beten, dass Gott diese Möglichkeit schenkt und wir Schritt für Schritt so etwas aufbauen können!

Nach dem Straßenkinderprojekt bin ich Dienstags immer noch in meiner Hauskreisgruppe von meiner Gemeinde. Letzten Dienstag hatten wir einen besonderen Gast zu Besuch. Clebao ist 40 Jahre alt und hat vor über 20 Jahren selber als Kind und später als Jugendlicher auf der Straße gelebt. Durch eine Gruppe von Missionaren, die sich um Straßenkindern gekümmert haben, hat er Jesus kennengelernt und sein Leben wurde von Grund auf verändert und erneuert! Heute lebt er mit seiner Schweizer Frau und seinen Kindern in Zürich und studiert dort Psychologie! Es ist so fantastische diese Zeugnisse zu hören, weil sie Mut machen und zeigen, dass es zwar schwierig, aber bei Gott nicht unmöglich ist, von der Straße wieder weg zu kommen!

Gott liebt jedes einzelne dieser Kinder, auch wenn sie es nur schwer glauben können. Neulich sagte eins der Kinder zu einem Mitarbeiter als Antwort darauf, dass Gott ihn liebe „Ninguém me ama – sou lixo. – Niemand liebt mich. Ich bin nur Müll“. NEIN! Du bist kein Müll! Du bist wertvoll für Gott. Er hat Dein Leben geplant und gewollt. Er hat gute Gedanken über Dich und einen Plan für Dein Leben. Er hat seinen einzigen Sohn für Dich sterben lassen, damit du ein neues Leben haben kannst und die Ewigkeit in der Gegenwart Gottes verbringen kannst!

Wir beten, dass diese Wahrheit die Herzen und den Geist der Kinder berührt!!

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Straßenkinderprojekt „Papo de responsa“

Unser Team ist startklar!
Unser Team ist startklar!

Seit Februar diesen Jahres habe ich die Möglichkeit, die christliche Organisation JEAME im Zentrum von Sao Paulo zu unterstützen. JEAME arbeitet in verschiedenen Bereichen, z.B. mit Jugendlichen in Gefängnissen (die nicht zu vergleichen sind mit denen in D!), Prostituierten, Drogenabhängigen und Strassenkindern. Letztere besuchen wir wöchentlich am Dienstag. Ein Teil unseres ca. 20-köpfigen Teams, welches hauptsächlich aus Brasilianern besteht, besucht Crackabhängige, die in einem bestimmten Bezirk in der Stadt „leben“ – Cracolândia genannt. Der andere Teil sucht Kinder und Jugendliche, die sich an verschiedenen Orten der Stadt irgendwie „häuslich“ niedergelassen haben auf, wie z.B an einer Straßenecke auf dem Foto weiter unten.

Zeit für Lobpreis und Gebet vorm Einsatz
Zeit für Lobpreis und Gebet vorm Einsatz

Ich bin sehr froh, dass wir uns vorher immer treffen können als Team, um gemeinsam zu beten, zu singen und eine kurze Andacht zu hören. Mir persönlich ist es wichtig, mich immer wieder daran zu erinnern, dass wir unsere Hilfe, auch für diese Kinder und Jugendlichen, von Gott erwarten. Er hat jeden Einzelnen von Ihnen erschaffen, liebt jeden und hat einen Plan für ihr Leben! Verna, eine Missionarin aus Irland, die das Projekt (mit)leitet, erzählte mir neulich, dass die Kinder in Gesprächen oft äußern, dass sie davon ausgehen, dass es keine Chance im Leben für sie gibt und dass sie früher oder später auf der Straße sterben werden. Als ich vor 2 Monaten das erste Mal dort war hat einer der Jungs erzählt, dass seinem Freund in der Nacht das Handy gestohlen wurde und er dann vor einen Bus gestoßen wurde und gestorben ist! Das ist leider ein nicht geringer Teil der Realität auf der Straße!

Sie sagen auch selbst von sich, dass sie ja „…nur Müll…“ seien. So werden sie von der Gesellschaft wahrgenommen und behandelt und das ist, was sie täglich erleben in ihrem Umfeld und auch gesagt bekommen. Kein Wunder, dass sie sich permanent versuchen durch Schnüffeln von Lösungsmitteln dieser Realität zu entziehen. Permanent haben sie ihr Plastiktrinkflaschen mit Lösungsmittel zwischen den Zähnen, damit sie die Dämpfe einatmen können. Manchmal sind sie auch ziemlich durcheinander, weil sie noch von anderen Drogen high sind.

Zwischendurch werden sie auch von der Polizei bedroht. Ihnen wird gesagt, dass man sie erschießen werde, wenn man sie mal irgendwo allein erwischt. Man kann es eigentlich kaum glauben, aber leider ist das keine Erfindung der Kinder und Jugendlichen, sondern bittere Realität! Schlimm ist es auch, dass sie sich als „unsichtbar“ empfinden. Die Menschen gehen an ihnen vorbei und geben vor, sie nicht zu sehen. Umso wichtiger ist es für sie, dass wir kommen, mit ihnen reden, singen, spielen und beten. Sie in den Arm nehmen, ermutigen und versuchen, ihnen die Hoffnung zu vermitteln, die wir selber durch Gott in unserem eigenen Leben erfahren dürfen.

"Wohnen" an der Straßenecke...
„Wohnen“ an der Straßenecke…

Die Kinder und Jugendlichen sind u.a. auch allen Witterungsverhältnissen ausgesetzt, wie ich neulich selbst live erleben durfte. Bei strömendem Regen (der hier im Sommer fast täglich vorkommt) und einem starken Gewitter saßen wir mit den Kindern unter Regenschirmen. Zwischendurch musste ich gegen meine Angst anbeten, dass der Blitz gleich bei uns einschlägt, da es so nah war. Die Kinder waren auch gerade an dem Tag sehr anhänglich und anlehnungsbedürftig. Obwohl es alles andere als gemütlich war was die äußeren Umstände betrifft, wußte ich ganz tief in mir, dass ich an keinem Ort auf der Welt lieber sein würde. Ich bin Gott dankbar für diese Bestätigung. Einer von uns hat meist eine Gitarre mit und wir singen mit den Kindern und Jugendlichen. Sie kennen alle Texte auswendig und singen von Herzen und mit aller Kraft mit. Wenn man, so wie ich, musikalischen Lobpreis und Anbetungszeiten eher in trockenen Gemeinderäumen gewohnt ist, kommt einem das fast surreal vor. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, ist Gottes Gegenwart spürbar und ich bete, dass diese spürbare Liebe unseres Papas im Himmel, die Herzen der Kinder erreicht und sie erkennen, dass ihr Leben verändert werden kann.

Die 13- jährige Tauany hat sich vor 2 Wochen unserer Mitarbeiterin anvertraut. Sie und ihre Schwester sind dem Team schon seit Jahren bekannt. Ihre Mutter lebt auch zeitweise auf der Straße- ich glaube, sie sind mehr oder weniger so aufgewachsen. Bislang haben sie nicht viel mit uns gesprochen. Nun hat Emily berichtet, dass sie schwanger ist. Mehr weiß ich z.Zt. auch nicht.

Neulich haben wir die 15-jährige Jessica getroffenn mit ihrem 7 Monate alten Baby Sophie. Tagsüber geht sie mit dem Kind auf die Straße betteln, nachts wohnt sie mit ihrer Großfamilie in einem besetzten Haus.

Letzte Woche kam eine junge Frau aus dem anliegenden Bürohaus. Sie hatte eine Art Pizzakarton in der Hand, der für die Jungs bestimmt war. Diese sind dann auch auf sie zugestürmt und haben sich irgendwann fast angefangen zu prügeln (kommt immer wieder mal vor), weil jeder was abbekommen wollte. Es war Hähnchenpastete. Einer der Jungs, Luís, hat mir die Hälfte von seiner angeboten- ich wollte nicht, weil ich dachte, er braucht es ja viel dringender als ich, aber er hat darauf bestanden und da ich ihn nicht beleidigen wollte habe ich es angenommen. Die Jungs teilen zwischendurch immer mal wieder ihr „wie auch immer erbeutetes Essen“ mit uns. Das berührt mich total.

Genau wie die Begegnung mit  dem 10-jährigen Thiago. Vor 3 Wochen haben wir ihn kennen gelernt. Er ist neu auf der Straße, wie er sagt. Etwas vorlaut, quirlig, witzig – man muss ihn einfach sofort ins Herz schließen. Als wir aufbrechen mussten, habe ich ihn gefragt, ob er einen Platz zum Schlafen hat. Ich hatte gehofft, er würde sagen, dass er nachts nach Hause geht, wie es bei den ganz Kleinen öfter mal der Fall ist. Nein, er hat keinen Platz zum schlafen und hat gefragt, ob er mit zu mir kommen kann… Leider ist das seit einigen Jahren rechtlich nicht mehr möglich Kinder von der Straße direkt mitzunehmen, da in diesem Bereich viel Missbrauch geschieht. Es tat mir so leid, ihm da so spontan nicht helfen zu können. Es müssen viele bürokratische Hürden genommen werden, um den Kindern andere Möglichkeiten anzubieten. Leider habe ich ihn seitdem nicht mehr getroffen. Ich bete, dass er entweder nach Hause zurück konnte, oder wir ihn bald wieder treffen und ihn unterstützen können.

Bitte betet für die Kinder. Besonders, dass sie bewahrt bleiben und dass sie Hoffnung schöpfen auf ein Leben ausserhalb der Straße!

 

Internationales Festival

 

Bei der amerikanischen, christlichen Privatschule PACA, die hier der Nähe gelegen ist, wurde heute ein „Internationales Festival“ gefeiert. Der Erlös soll verschiedenen Hilfs- und Wohltätigkeitsorganisationen zu Gute kommen, u.a. auch ABBA, für die ich arbeite.

Die Schule ist sehr international, so dass es viele Stände aus verschiedenen Ländern gab, die zumeist landestypische Speisen angeboten haben. Die meisten davon konnte man durch Kauf einer Eintrittskarte kostenlos in kleineren Portionen testen. Verschiedene asiatische und lateinamerikanische Länder waren vertreten, dazu Nigeria, Indien, Italien, Griechenland, Mexiko und natürlich auch die Schweiz und die USA. Bei den beiden letzteren haben sich jeweils Teile unseres ABBA-Mitarbeiter-Teams eingebracht. Ich war beispielsweise im Dekoteam für den Schweizer Stand, andere haben dort heute Raclette  (der Käse wurde extra aus Nordbrasilien angeliefert) und heiße Kartoffeln verkauft, oder Cookies und Lemon – bzw. Applepie für den amerikanischen Stand gebacken.

Ansonsten steht aktuell mein Umzug ins Haus der Macys an, welchen ich aber nur Stück für Stück bewerkstelligen kann. Zudem muss ich mir ein paar Möbel, vor allem einen Kleiderschrank, besorgen. Mit mir wohnt dort die Mutter von Yvonne, die tagsüber von Pflegerinnen betreut wird und nachts jemanden braucht, der im Haus ist, falls was passiert (ist aber bis jetzt noch nicht vorgekommen). Die beiden jungen Männer sind nun leider doch ausgezogen – ich hatte bis zuletzt gehofft, sie würden bleiben. Ausserdem wird eine Schweizer Missionarfamilie, Mike und Heidi mit ihren 4 Kindern, auf die ich mich sehr freue, von Mo.-Fr. mit im Haus wohnen. Ihre Kinder besuchen die besagte Schule (PACA), obwohl sie weit ausserhalb wohnen – sie möchten nun testen, ob es gut ist, wenn sie während der Woche in der Nähe wohnen.

Meine neue Schweizer Mitbewohnerin Sarah-Lia :-)
Meine neue Schweizer Mitbewohnerin Sarah-Lia 🙂

Die meiste Energie geht momentan gefühlt dafür drauf, mich durch den scheinbar unergründlichen Dickicht der brasilianischen Bürokratie zu kämpfen. Die hiesige Führerscheinbehörde hat mich nun schon dreimal wieder nach Hause geschickt. Beim letzten Mal musste ich so lange warten, dass am Ende nicht mehr genügend Zeit für die medizinischen Untersuchungen blieb. Zwischendurch meinten sie, die Kopie meiner brasilianischen Registrierungskarte sei nicht in Ordnung- man konnte  zwar alles lesen, die KANTE des Ausweises aber nicht sehen auf dem Papier…..!!! (Ich war in einem Copy-Shop – nur mal nebenbei bemerkt) Bis das geklärt war, war die Öffnungszeit fast vorbei. Ausserdem habe ich diesen Monat das erste Mal mein Geld auf ein brasilianisches Konto überwiesen bekommen. Das musste erst beim zuständigen Ministerium freigegeben werden, bevor es auf meinem Konto gutgeschrieben werden konnte. Das ganze Prozedere war ziemlich langwierig und aufwendig. Ich war dann schon froh, dass die Gebühren nun doch „nur“ 50€ kosten und nicht 100€, wie mir zuerst angezeigt wurde (liegt vor allem an dem in diesem Fall von der Bank festgelegten, miserablen Wechselkurs). All das scheint hier aber „normal“ zu sein. Bemvindo no Brasil bekomme ich immer zu hören, wenn ich das jemandem erzähle – Willkommen in Brasilien… Gott trainiert mich in Gelassenheit – da ist noch Luft nach oben, würde ich mal behaupten 😉

Gerade deshalb: Vielen lieben Dank für eure Gebete – die habe ich gerade in den letzten Tagen deutlich gespürt und bin froh, dass Gott mir wieder ein bisschen mehr Leichtigkeit geschenkt hat in all dem, wo ich manchmal nur noch die Berge (an Problemen) vor mir gesehen habe und das Gefühl hatte, sie wollen mich erdrücken. Danke dafür und Gottes Segen Euch allen! 🙂

 

Time to say Good-bye….

Gefühlt besteht meine Hauptbeschäftigung momentan darin, mich von lieben Menschen, die ich gerade kennengelernt habe, wieder zu verabschieden. Letzte Woche war es bei Tim und Becky, einem Missionarsehepaar aus den USA, soweit. Sie werden nach 10 Jahren Brasilien verlassen und in die USA zurückkehren, um dort ein Jüngerschaftsprojekt für Latainamerikanische Jugendliche zu leiten. Sie haben sich viele Jahre hier bei ABBA mit viel Liebe um die Kinder, vor allem um die auf der  Straße, gekümmert. Nun haben wir letzten Mittwoch bei unserer ersten Teamsitzung nach Weihnachten leider Abschied „feiern“ müssen. Ich finde es sehr schade, dass sie gehen, aber ich freue mich natürlich für sie, dass sich neue Türen aufgetan haben für sie und ihre Familie.

Teil des Mitarbeiterteams von ABBA mit Familienanhang
Teil des Mitarbeiterteams von ABBA mit Familienanhang

In den letzen Monaten hatte ich noch die Gelegenheit, in Becky’s Projekt bei den Teeniemädels beim Casa Semear mitzuwirken (s. die entsprechenden Blogeinträge). Ich hatte bis letzte Woche noch gehofft, dass Mirella, die Psychologin bei der ich wohne,  dieses Projekt bei ABBA weiterführen kann, aber nun gehen mit Tim und Becky auch die für das Projekt zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel, die aus den USA gespendet wurden. Leider steckt in den brasilianischen Gemeinden die Vision für Mission und die entsprechende (finanzielle) Unterstützung von einheimischen Missionaren noch in den Kinderschuhen, so dass Mirella sich nun leider einen anderen, bezahlten Job suchen muss. Ich bete, dass Gott die Christen hier vor Ort berührt und Visionen in diesem Bereich schenkt.

Der Plan war auch eigentlich, dass Tim und ich ein neues Team aufbauen für den Bereich der Strassenkinderarbeit bei ABBA. Nun hat sich alles etwas anders entwickelt, als gedacht (was in Brasilien den Regelfall darstellt). Bevor Tim nun gegangen ist, hat er mich am Freitag noch mitgenommen zu einer Organisation hier in Sao Paulo, die seit über 30 Jahren Projekte auf den Straßen und in den Jugendgefängnissen (NICHT ZU VERWECHSELN ODER ZU VERGLEICHEN MIT DENEN IN DEUTSCHLAND!) durchführen. Mit dieser Organisation, JEAME, werde ich in Zukunft einmal pro Woche die Gelegenheit haben, in der Arbeit mit Straßenkindern mitzuarbeiten und diese kennenzulernen. JEAME bietet auch spezielle Trainingsprogramme hierfür an, was mich sehr freut, da meine Erfahrungen auf diesem Gebiet noch sehr überschaubar sind. Ich freue mich, dass es Dienstag (NACH KARNEVAL…) losgeht und ich mit ihnen in der Stadt treffen werde. Ich werde dann zeitnah hier berichten 🙂

Beijos & Abraços!

 

Der Karneval in Rio….

Live vom Karneval aus Köln
Live vom Karneval aus Köln

 

….muss leider in diesem Jahr (wie eigentlich immer), ohne mich auskommen ;-). Deshalb gibt es auch ersatzweise ein Foto von meinem Bruder Thorsten, meiner Schwägerin Sarah und meiner Lieblingsnichte (ich hab‘ bis jetzt nur eine) Mila, die sich in den Kölner Karneval (vor der Haustür) stürzen. Leider bedeutet Karneval auch hier in Sao Paulo, dass nach einer Woche in unserem Projekt und zwei Wochen Sprachschule, schon wieder, sehr zu meinem Leidwesen, fast eine Woche „Zwangsurlaub“ angesagt ist – das Leben in Brasilien fängt erst NACH dem Karneval wieder an – den Satz hört man hier an jeder Ecke und zu jeder sich bietenden Gelegenheit. Zwischen Weihnachten und Karneval sind hier die großen Sommerferien – viele Angestellte haben dann für einen Monat Urlaub (in Brasilien wird der Jahresurlaub tendenziell am Stück genommen). Es läuft also nicht viel hier VOR dem Karneval, der auch in Sao Paulo groß gefeiert wird. Es finden in vielen Stadtteilen Umzüge statt, die denen in Deutschland ähneln.

Die letzten Wochen habe ich also, neben der Erledigung weiterer bürokratischer Angelegenheiten, genutzt, um mit dem Team der Sozialarbeiter, Psychologen und der Ergotherapeutin von ABBA an einem Projekt mitzuwirken und so Einblick in die Arbeit hier vor Ort zu bekommen. Nachmittags habe ich die Kinder im Casa Elohim besucht. 3x pro Woche hatte ich Privatsprachunterricht über Skype, bei meinem alten, langjährigen Portugiesischlehrer und dazwischen habe ich angefangen mit meiner Masterarbeit über „Interkulturelle Missionsteams“. Ich bin froh, dass ich da schon einen guten Teil von den geforderten 120 Seiten schreiben konnte, bevor ich NACH dem Karneval dann endlich wieder in den normalen Arbeitsalltag einsteigen kann 🙂

Liebe Grüße, abraços & beijos!

Silke

 

Kindergeburtstag im „Casa Elohim“

Geburtstagstorte Casa Elohim
Geburtstagstorte Casa Elohim

Im Moment sind hier in Brasilien große Sommerferien. Das heißt leider auch, dass sehr zu meinem Leidwesen weder Sprachschule, noch eins der Präventionsprojekte stattfinden. Meine freie Zeit nutze ich deshalb u.a. im Moment, um in unserem Kinderheim mitzuhelfen und mit den Kindern dort zu spielen.

Meine Erfahrungen vor 2.5 Jahren, als ich dort regelmäßig gearbeitet hatte, waren, dass ich erst nach langer Zeit Zugang zu den zum Teil stark traumatisierten Kindern finden konnte. Ganz anders war nun zu meiner Überraschung die Begegnung mit den 7 zur Zeit dort aufgenommen Kindern. Innerhalb kürzester Zeit klebten alle an mir, redeten gleichzeitig auf mich ein und wollten am liebsten jeder etwas anderes mit mir spielen.

Zum Glück war es relativ unproblematisch, sie trotz großer Altersunterschiede, zu gemeinsamen Spielen zu überreden. Dank fortgeschrittener Sprachkenntnisse fällt mir mittlerweile auch die Kommunikation leichter. Manchmal klappt es noch nicht so gut, aber dann „übersetzt“ eins der älteren Kinder für die jüngeren, was sich für mich so anhört, als wenn es einfach nochmal GENAU DAS wiederholt,was ich auch gesagt habe 😉

Leider darf ich keine Fotos von den Kindern im Internet veröffentlichen- zu gerne würde ich Euch die süßen Kleinen (und Größeren) zeigen :-). Deshalb müsst ihr mit dem Geburtstagskuchen vorlieb nehmen, den es aus entsprechendem Anlass gestern dort gab. Einer der Jungs hatte Geburtstag und eine Gruppe Freiwilliger aus einer Gemeinde, die dort mithelfen, kann mit dieser schönen Torte, einer Menge Hotdogs, Luftballons, Deko und Giveawys für die Gäste an und hat den Geburtstag für den Jungen gestaltet. Wir hatten alle viel Spaß und ich habe mich gefreut, dass ich mit dabei sein durfte.

 

 

„Sozialarbeiter-Kongress“

2017-12-09 20.48.49

Montag und Dienstag war ich auf einem Kongress für Sozialarbeiter hier in Sao Paulo. Es ging darum, was für Kinder und Jugendliche, die in Heimen untergebracht sind, verbessert werden kann und muss. Am meisten hat mich berührt, als verschiedene unterschiedliche Gruppen von 8ehemaligen) untergebrachten Kindern und Jugendlichen selbst davon berichtet haben, wie das aus ihrer Perspektive aussieht und was sie sich wünschen würden. Ich habe nicht alles verstanden (Okay, okay. Ich habe insgesamt eher WENIGER verstanden. Und nach 8 Stunden ununterbrochen Portugiesisch hat mein Gehirn auch irgendwie auf „Aus“ geschaltet…). Das WAS ich aber von einem verstanden habe von einem Ehemaligen Heimkind und jetzigem Mitarbeiter war, dass es für ihn am wichtigsten gewesen sei, dass Menschen an ihn geglaubt und ihn nicht aufgegeben haben. Er meinte, selbst wenn man in dem Moment Entscheidungen der Betreuer nicht nachvollziehen könne wäre es wichtig, die Kids nicht aufzugeben, da sie im Nachhinein, wenn sie älter sind, manches besser nachvollziehen könnten.

Eine weitere Problematik die angesprochen wurde war die Frage, was man mit den Kindern macht, wenn sie mit 18 Jahren volljährig sind, das Heim verlassen müssen und auf sich allein gestellt sind. Es wurden einige Übergangsprojekte in Form von betreuten Wohngruppen für junge Erwachsene vorgestellt, die dieser Problematik entgegentreten wollen. Dort sollen diese besser auf das alltägliche Leben vorbereitet werden. Die Wichtigkeit von Beziehungsnetzwerken wurde ebenfalls angesprochen, damit die nun „Volljährigen“ emotionalen und sozialen Rückhalt erleben. Wen bittet man um Hilfe, wenn man plötzlich am Monatsende die Stromrechnung nicht bezahlen kann und keine Eltern hat, an die man sich wenden kann, um nur ein Beispiel, das dort genannt wurde, aufzugreifen. Oder wenn man irgendeinen anderen lebenspraktischen Rat benötigt? Wer springt ein? Die meisten von uns können sich vermutlich nicht vorstellen, mit 18 plötzlich auf sich allein gestellt zu sein…

Ich bete, dass Gott mehr Ideen und Möglichkeiten zeigt und gibt, dieser Problematik zu begegnen.

Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende und eine möglichst besinnliche Adventszeit!

ABBA-Team, bestehend aus Sozialarbeitern und Psychologen.
ABBA-Team, bestehend aus Sozialarbeitern und Psychologen.

Super-Mulhers, Teil 3

Super-Mulheres mit Gastköchin (2. v.r.)
Super-Mulheres mit Gastköchin (2. v.r.)

Letztes Woche war eine Köchin bei unserem Teenie-Mädels-Treffen. Wir haben in den letzten Wochen verschiedenen Frauen mit unterschiedlichen Professionen eingeladen, damit die Mädchen einen kleinen Einblick in verschiedene Berufsmöglichkeiten bekommen.

Wir haben Hähnchenpastetchen  hergestellt, die von den Mädchen kreativ mit Teig dekoriert wurden. Wir Mitarbeiterinnen haben auch jede eine mit unserem Anfangsbuchstaben bekommen. 😉 Es ging gerade bei diesem Treffen natürlich nebenbei auch darum, den Mädchen Ideen zum Thema Ernährung zu vermitteln und Freude am selber kochen.

 

Letzten Montag hatten wir dann eine Architektin zu Besuch. 😉 Das hat mich natürlich stark an meinen früheren Job erinnert, auch wenn sie mehr im Bereich Innenausbau arbeitet, was hier in Brasilien üblicher zu sein scheint, als wir das in Deutschland kennen. Ausserdem hat sie erzählt, wie sie Gott bei der Berufswahl geleitet hat und sie sich immer gewünscht hatte, dass sie diesen zur Ehre Gottes ausüben kann. Nun arbeitet sie in der Schreinerei von ABBA („Solido Moveis“) und macht die Planung für die hochwertigen Einbaumöbel/ -küchen, die bei ABBA hergestellt werden und kann ihre Begabungen und Talente für das Reich Gottes einsetzen! Ich freue mich zu sehen, wie Gott Menschen führt, und sie an ihren Bestimmungsort bringt 🙂

(*Nebenbei: Das Schreinereiprojekt dient u.a. dazu, Jugendlichen eine solide Ausbildungsmöglichkeit zu bieten.)

Wochenendcamp mit den „Super-pequenos“

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Am Wochenende fand das letzte der diesjährigen Wochenendcamps aus dem Präventionsprojekt „Casa Semear“ statt. Diesmal war die Gruppe der ganz Kleinen dran, die „Super-pequenos“ ( pequeno = Klein). Es wurde viel gespielt, gebastelt und gesungen. Denn ganzen Tag schrie irgendjemand nach einer „Tia“ (Tante) oder einem „Tio“ (Onkel), wie wir hier einheitlich von den Kids genannt werden – sehr praktisch – so müssen sie sich, im Gegensatz zu uns, keine Namen merken….;-).

Die Hauptattraktion war der Swimmingpool, der von den Kleinen begeistert genutzt wurde. Zwischendurch gab es Teile der Weihnachtsgeschichte zu hören (der Advent ist ja schon stramm im Anmarsch 😉 ). Wenn man die Kleinen dann so glücklich und zufrieden dort schwimmen, spielen und einfach „Kindsein“ sieht, kann man sich fast wieder nicht mehr vorstellen, unter welchen Umständen sie normalerweise leben (s. letzter Bericht). Ich kriege das fast nicht zusammen.

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Da die Kinder in Brasilien traditionell eher sehr spät ins Bett gehen, war der Tag sehr lang und ausgefüllt. Gott sei Dank gab es keine Zwischenfälle, auch Nachts nicht soweit ich weiß, (ich habe zu Hause übernachtet). Manchmal haben die Kleinen Heimweh- deshalb geht ihr Camp auch nur mit einer Übernachtung. Da heute leider mal wieder Feiertag ist (Im Oktober und November gibt es da so einige), sehe die die lieben Kleinen erst Freitag wieder, da ich die nächsten Tage ja erstmal wieder zur Sprachschule gehe.

Melanie und ich bei eine Wanderung im Park
Melanie und ich bei eine Wanderung im Park

Leider ist Freitag auch der Abschiedstag von Melanie, der Schweizer Volontärin. Sie konnte ihr Touristenvisum nicht verlängern. Auch Schweizer dürfen nun nur noch 90 Tage hier bleiben und nicht mehr, wie noch vor einem Jahr möglich, nochmal auf 180 Tage verlängern. Ich bin echt traurig, dass sie geht und hoffe und bete, dass sie bald wieder kommt. Mal sehen, was Gott noch vorher 🙂

„Super-Mulheres“ Teil 2

Stargast Grizie bei den "Super-Mulheres"
Stargast Grazie (Mitte, schwarzes Shirt und rote Hose)  bei den „Super-Mulheres“

Vor 2 Wochen hatten wir eine in Brasilien sehr bekannte Schauspielerin u.a. aus verschiedenen Telenovelas zu Gast in unserer Teeniemädchengruppe: „Super-Muheres“. Graziella ist Mitte 30, kommt aus Rio und ist mit einem Filmproduzenten verheiratet. Seit ein paar Jahren ist sie Christin und geht mit einer unserer Mitarbeiterinnen, Audrey, in die gleiche Gemeinde. Die Mädels fanden es super spannend, dass sie einen „Filmstar“ kennen lernen durften.

Sie hat aus ihrem Leben erzählt, wie es so am Set läuft und vor allem auch, wie sie vor ein paar Jahren zum Glauben an Jesus Christus gefunden hat :-). Sie hat auch einzeln für die Mädchen gebetet, was mich sehr berührt hat und ich glaube, die Mädchen ebenfalls. Anschließend hat sie verschiedene „Übungen“ mit uns gemacht, die sie vermutlich während ihrer Schauspielausbildung gelernt hat und die zu Ziel hatten, dass sich die Mädchen stärker ihrer Körperlichkeit bewusst werden.

Letzte Woche konnten Melanie und ich zusammen mit unserer Projektleiterin Silvana ein paar Mütter der Mädchen in der angrenzenden Favela besuchen. Mir fehlen fast die Worte um zu beschreiben, wie es dort aussah und wie sich die Lebensumstände  gestalten. Man muss sich fast zwischen den einzelnen Häusern durchquetschen, so schmal sind die Wege dort. Es stinkt bestialisch nach Abwässern, die in einer Art „Fluss“ zusammen mit Müll durch die Favela fließen. Die Wohnungen sind winzig und feucht. Einige Eingange haben ca. 50 cm hoch gemauerte Brüstungen, um bei Starkregen das Wasser daran zu hindern, in die Wohnungen zu fließen. Leider klappt das nicht immer, so dass dann die Matratzen, die zum Schlafen auf dem Boden liegen, nass werden. Eine der Mütter erzählte uns von ihren Depressionen und Schlafproblemen, und zeigte uns die Medikamente, die sie dagegen nimmt. Ihre Tochter kommt seit einiger Zeit nicht mehr zum Projekt, da sie ihrer Mutter zu Hause helfen muss. Da dies vermutlich mein zukünftiges Einsatzgebiet sein wird, bete und überlege ich schon, wie und wo und was ich dort unterstützen könnte. Zumal wir ja nun lediglich die äußeren Zustände gesehen haben – die Wohnverhältnisse sind ja leider nicht das einzige Problem dort; vermutlich auch nicht das gravierendste. Bitte betet mit mir, dass dort Lösungsansätze gefunden werden, um den Menschen dort und vor allem den Kindern, langfristig Perspektiven aufzeigen zu können. 2017-11-07 14.54.26